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Interview mit Markus Kunkel vom Ankerlicht Programm von Schlaufox

Beschreibe kurz dein Ehrenamt (Für welche Organisation bist du tätig? Was sind deine Aufgaben?)
Ich bin als Mentor im Ankerlicht Programm von Schlaufox e. V. tätig. Die Grundidee von Ankerlicht ist Geflüchtete durch einjähriges Mentoring beim Übergang in die regulären Schulklassen zu unterstützen. Manche Geflüchteten sind jedoch bereits auf dem  Weg zu einem Schulabschluss oder auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das ist momentan z. B. bei meinem Mentee der Fall. Mein Mentee hat im vergangenen Schuljahr den MSA erworben. Für die Abschlussprüfungen haben wir zusammen gelernt  und jetzt dreht sich alles um die Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Sind das Dinge, die dich auch außerhalb deines Ehrenamts interessieren?
Ich glaube nicht viele Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit dem Thema Bewerbungen oder dem Wiederholen von mathematischen Funktionen aus ihrer Schulzeit. Bei mir ist das jedenfalls nicht der Fall. Das bedeutet aber nicht, dass das mir keinen Spaß macht. Ganz im Gegenteil!

Was hat dich dazu bewegt, dich zu engagieren?
Für mich gibt es mehrere Beweggründe, warum ich mich bei Schlaufox engagiere. Zum einen glaube ich, dass das Ehrenamt allgemein, egal in welchem Bereich man tätig ist, einen wertvolle Erfahrungen bietet und man persönlich einiges mitnimmt. Zum anderen habe ich selbst einen eher ungewöhnlichen Bildungsweg hinter mir. Ich bin selbst zur Hauptschule gegangen. Bei mir war das familiär im Prinzip so vorbestimmt. Das erste Mal richtig gefordert und gefördert fühlte ich während meiner Lehre durch meinen Ausbilder, der für mich auch ein Art Mentor war. Danach habe ich das Abitur nachgeholt und studiert. Daher weiß ich aus eigener Erfahrung wie wichtig es ist jemanden zu haben, der einen fördert. Aus diesem Grund war es für mich wichtig, mich in einem Verein zu engagieren bei dem Bildung bzw. die Ausbildung im Fokus steht. Gerade Geflüchtete benötigen – alleine schon wegen der Sprachbarriere – Unterstützung um ihre Potentiale entfalten zu können. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten darüber, welchen Weg man einschlägt. Hier oder da eine bessere Note um eine weiterführende Schule besuchen zu können oder ein kleiner Fehler in den Bewerbungsunterlagen kostet einen den Ausbildungsplatz. Ich glaube, dass wir diese Zeit einfach investieren sollten. Am Ende profitieren wir alle davon, wenn Menschen ihre Potentiale entfalten können - egal ob sie einen Fluchthintergrund besitzen oder nicht.

Was ist das Schönste, das du während deines Engagements bisher erlebt hast?
Ich weiß nicht, ob es ein einzelnes Highlight wirklich gibt. Ich empfinde es oft als schön, wenn ich merke, wie viel er bereits gelernt hat. Nicht nur im Mentoring, sondern insgesamt seit er in Deutschland ist. Man muss dabei auch immer bedenken, dass er das alles in seiner zweiten Fremdsprache lernen muss. Das ist schon eine enorme Leistung.

We.Inform.

Welcome Informations for Refugees and Immigrants an der Bucerius Law School, Hochschule für Rechtswissenschaft gGmbH (Text als pdf)

Interview und Text: Rose-Marie Hoffmann-Riem (AK Patenschaften für Hamburg/BHFI)

Wir sind für das Interview in der Bucerius Law School (BLS) verabredet. Es ist gar nicht so einfach, in dem lebhaften Ambiente einer Hochschule einen Platz zu finden, wo wir in Ruhe reden können. Schließlich erwischen wir eine Ecke, in der wir uns einrichten.

Warum in einer privaten Hochschule für angehende Juristen? Das erklären jetzt die drei, mit denen ich hier zusammensitze.

Wir, das sind Paul Bülow, 25 Jahre, aktiver Unterstützer seit Gründung von We.Inform. im Jahr 2015. und damit der „Dienstälteste“ in dieser Gesprächsrunde. Paul ist mittlerweile Doktorand an der BLS und immer noch engagiert dabei.

Neben ihm sitzt Paula Rudigier, 20 Jahre, die 2017 ihr Studium hier aufnahm und seit ihrer Schulzeit ehrenamtlich unterwegs ist. Für sie war es geradezu folgerichtig, auch an der BLS ein Projekt zu finden, um sich weiter zu engagieren.

Auf der anderen Seite hat Jonas Niehaus, ebenfalls 20 Jahre, Platz genommen. Er studiert seit 2018 an der BLS. Auch er war als Ersthelfer ab September 2015 aktiv. So war es nicht schwierig, ihn auch für dieses Projekt zu gewinnen.

Paul, kannst Du die Idee und Entstehungsgeschichte von We.Inform. kurz skizzieren?

Wir starteten als sogenannte „Verweisberatung“ vor Ort. Mit unserem kleinen Team haben wir Flüchtlingsunterkünfte besucht und dort unser Informationsmaterial verteilt. Wir hatten den Ehrgeiz, mit unseren Flyer möglichst viele unterschiedliche Fragestellungen abzudecken. Wir konnten nicht superkonkret beraten, aber wir konnten sagen, wo Hilfe für die jeweiligen Fragen angeboten wird. Zu Beginn unserer Arbeit, als ganz viele Menschen neu nach Deutschland kamen, war die Unsicherheit bei den Betroffenen ziemlich groß und dort setzten wir ursprünglich an.

Inzwischen hat sich das gewandelt, das Interesse ist heute sehr unterschiedlich. Die meisten Menschen sind schon länger in Deutschland und die Fragen bewegen sich mehr in Richtung „Arbeit finden“ bzw. „Aufenthalt und Wohnen“ Deswegen hat sich We.Inform. neu aufgestellt. Wir drei sind jetzt alle in der taskforce „Arbeit“.

Paula, was hat Dich an diesem Projekt so beeindruckt, dass Du gesagt hast, ich bin dabei?

Mir ist es beim Ehrenamt immer ganz wichtig, dass ich mit Menschen direkt arbeite und die Möglichkeit habe, neue Gebiete kennenzulernen. Während meiner Schulzeit unterstützte ich ein Kinderheim und half beim Aufbau einer Schule. Später habe ich in einem Altersheim gearbeitet. Bei meinen Einsätzen in den Flüchtlingsunterkünften komme ich direkt und schnell mit Menschen in Kontakt. Das ist es, was ich will.

Auf We.Inform. machte mich eine Mitstudentin aufmerksam, die das Projekt mit aufgebaut hat. Ich war noch in der Vorstellungsphase für das Studium und wohnte in dieser Zeit bei ihr. Sie meinte, das sei genau das Richtige für mich und so war es dann auch. Ich begann genau in dieser Umbruchphase, von der Paul eben sprach. Ein Jahr lang war ich als „information guide“ in den Unterkünften unterwegs mit Informationen zu den unterschiedlichsten Themen. Mir wurde schnell klar, dass die Menschen nur zwei Dinge wirklich richtig interessieren: „Wie komme ich zu einer Arbeit und wie kann ich eine Wohnung finden“.

Jonas, wie war das bei Dir?

Zu Beginn des Studiums werden den Neuen die unterschiedlichen Hochschulgruppen vorgestellt. In diesem Zusammenhang lernte ich das Projekt We.Inform. kennen. Was mich von Anfang an sehr begeisterte und Paula auch schon sagte, ist die Unmittelbarkeit, mit der man mit Menschen zusammenarbeitet und helfen kann. Ich weiß noch 2015, als die Flüchtlingskrise auf dem Höhepunkt war, wollten alle was machen. Ich habe mit Freunden ein paar Wochen in den Kleiderannahmestellen gearbeitet und Klamotten sortiert. Da ist gut und hilft auch Leuten, aber eben eher indirekt. Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn ich mit jemanden eine Stunde am Tisch sitze und am Ende haben wir einen Lebenslauf zusammen erarbeitet. Also das Gefühl, man kann da echt helfen, dass sich mein Gegenüber bei Jobs bewerben kann, ja das ist sehr schön, auf jeden Fall.

Wie habt Ihr ausfindig gemacht, bei welchen Unterkünften Ihr gebraucht werdet? Wart Ihr selbst aktiv oder sind die Verantwortlichen bei den Unterkünften auf Euch zugekommen?

Paula: Wir wurden weniger angefordert, es war eher so, dass wir Bescheid sagten, wann wir an einen bestimmten Standort kommen können. Wir haben selbst dafür geworben, dass Flüchtlinge zu uns kommen. Meines Erachtens war das auch eine Schwierigkeit, weil Flüchtlinge oftmals gar nicht wußten, dass wir da waren und wofür. Ich wohne direkt neben zwei Unterkünften und bin dann meistens dorthin. Ich habe mit den Menschen Lebensläufe geschrieben und Anrufe getätigt. Das brauchten sie und das hat sie interessiert. In diesem Thema bin ich ja auch gut unterwegs. Wir schreiben ja selbst viele Bewerbungen als Teil unseres Studiums. Und jetzt ist diese Art der Hilfe ja auch Inhalt unserer taskforce „Arbeit“.

Jonas: Wir müssen da noch einiges durchdenken, bisher helfen wir nur bei der Erstellung von Lebensläufen. Wir wollen unser Angebot erweitern auf Anschreiben und eine umfassende Bewerbungshilfe. Da bleibt man mit den Leuten ja auch besser im Kontakt. Wir tauschen Kontaktdaten aus und können dann längerfristig unterstützen. Quasi als „Pate“ für einen bestimmten Zeitraum und ein bestimmtes Thema.

Paul: Wir starten jetzt, in dem wir Termine anbieten, um mit den Geflüchteten Lebensläufe zu erstellen. Wir kooperieren mit Flüchtlingsunterkünften und dem Integrationszentrum Nord, das klappt ganz gut. Unser Angebot richtet sich an Leute, die gerade auf dem Weg in die Arbeitswelt sind, die genau dieses Bedürfnis haben. Wenn sie noch ein B1 Level haben, ist es perfekt. So entstand die Idee, an das Integrationszentrum Nord heranzutreten, die Deutschkurse und Integrationskurse anbieten. Wir helfen im Anschluss mit der Erstellung von Lebensläufen.

Wie geht Ihr da vor?

Paul: Wir verfügen über ein mehrsprachiges Tool im Internet. Das ist unsere Basis und daraus entwickeln wir dann den Lebenslauf. Wir haben uns dafür entschieden, das erst einmal so aufzuziehen, weil wir wissen, in diesem Integrationszentrum sind Leute, die jetzt gerade ihren Deutschkurs zu Ende haben und die genau dieses Bedürfnis haben. Das ist jetzt der Anfang. Wir wollen noch weiter ausbauen mit Bewerbungstraining, Anschreiben etc.

Kurze Pause. Langfristig ist das der Plan.

Habt Ihr gehört, dass die Deutsche Bahn ganz auf Anschreiben verzichtet? Und dadurch eine viel höhere Rückmeldung bekommt. Die Menschen bewerben sich nur mit Lebenslauf, weil die DB-Verantwortlichen sagen, diese Anschreiben sind entweder aus Google oder ein/e Verwandte/r hat geholfen, aber eigentlich sind sie nicht signifikant.

Paula: Hm, nein, wusste ich nicht. Trotzdem, ich finde Anschreiben sehr nützlich. Jedenfalls bei unserer Zielgruppe. Man muss ergänzen können, was aus dem Lebenslauf nicht so ohne Weiteres hervorgeht. Ganz häufig haben Flüchtlinge bestimmte Studiengänge abgeschlossen oder können Ausbildungen vorweisen, die in Deutschland gar nicht anerkannt werden. Das muss im Anschreiben genauer erläutert werden

Ich hatte zum Beispiel einen Iraner, der hatte eine Ausbildung zum Bademeister. Über vier Jahre mit viel Arbeit und Unterricht. In Deutschland wird das nicht annähernd so anerkannt, wie dort. Deswegen muss man erklären, dass er dort eine richtige Ausbildung absolviert hat.

Das ist ein gutes Stichwort: Anerkennung der Zertifikate, die die Leute mitbringen.

Paula: Ich hatte bisher noch niemand, der tatsächlich ein Zertifikat hatte. Die sind geflüchtet und hatten nichts mehr. Sie können berichten, welche Ausbildung sie haben oder was sie bisher praktisch beruflich gemacht haben. Deswegen ist es so wichtig, diese Informationen auch an die zukünftigen Arbeitgeber weiterzugeben. Ich weiß auch nicht, wie das bei den Arbeitgebern noch nachgeprüft wird. Das ist sicher ein großes Problem, schätze ich. Wir in unserer Position können einfach nur dafür sorgen, dass es gut beschrieben wird.

Jonas: Und wir können an die Stellen verweisen, die wir noch aus unserer Arbeit als „information guides“ kennen.

Paul: Wir machen mit dieser Ausrichtung auf „Arbeit“ eine Beratung, die von hoher Relevanz ist für die Geflüchteten. Übrigens, man muss hier nicht studieren, um bei uns mitzumachen. Mitmacher/innen sind herzlich willkommen.!

Diesen Appell nehme ich jetzt als Schlusswort, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.

Nachsatz: Seit Mitte Juli 2019 bietet We.Inform. feste Workshops zum Thema Lebenslauf an, die an der Bucerius Law School stattfinden.

Anmeldung unter: we.inform(at)law-school.de

TANDEM TALK im Kopfcafé der BASFI

Ungefähr zwanzig interessierte Mitarbeiter/innen der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) trafen sich am 11. April 2019 um 13.00 Uhr auf Einladung von Alexandra Leydecker (Referat Förderung des freiwilligen Engagements). Sie hatte zum Thema „Patenschaften für geflüchtete Menschen“ eingeladen.

Ein Tandem live zu erleben, schlägt jeden Vortrag. Axel Limberg, Journalist und leidenschaftlicher Pate, schilderte im Gespräch mit dem 18jährigen Mojtaba Hossein Zadeh, der vor vier Jahren aus Afghanistan flüchtete, die Anfänge ihrer Patenschaft, die gemeinsamen Erfolgserlebnisse und die Verarbeitung von Rückschlägen. Es war berührend und informativ zugleich.

Und so ein Erfolg! Rose-Marie Hoffmann-Riem, Leiterin des AK Paten und Begleitung (BHFI), die das Gespräch moderierte, dankte für die spontane Bereitschaft aus dem Publikum, für den ersehnten Ausbildungsplatz für Mojtaba ihre Hilfe und Kontakte anzubieten.

Machen Sie mit, machen Sie Ihre Leidenschaft zum Ehrenamt. Auf Open-Hamburg finden Sie über 50 Vereine und Initiativen für Ihr Engagement!






 

Lukas: „Bevor man Angst hat vor Menschen, die hierherkommen, sollte man sich lieber gegenseitig kennenlernen

Shahabedin kommt aus Afghanistan, Lukas aus Brandenburg. Kennengelernt haben sich die beiden jungen Männer Anfang 2017 in Hamburg. Shahabedin brauchte Hilfe mit der Schule und der Sprache – gefunden hat er Lukas. Das Projekt Schülerpaten hat den Studenten und den Auszubildenden zusammengeführt. Er findet es wichtig, sagt Lukas, auf die Menschen zuzugehen, die hierherkommen. „Es geht ja erstmal um Kontakt.“ Wenn Shahabedin und Lukas sich einmal in der Woche treffen, kochen sie zusammen, essen und lernen. „Den Hauptschulabschluss habe ich nur wegen Lukas geschafft“, sagt Shahabedin, der mit 16 alleine nach Deutschland kam und inzwischen fließend Deutsch spricht. Jetzt üben Lukas und er vor allem Englisch, damit Shahabedin auch noch den Realschulabschluss schafft – ihr nächstes gemeinsames Ziel.

Lukas und Shahabedin vom Projekt Schülerpaten Hamburg e.V. Foto: Kirsten Haarmann

Das Tandemportrait wurde im Rahmen des Projekts „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg stärken“ der BürgerStiftung Hamburg in Kooperation mit dem Mentor.Ring Hamburg e.V. erstellt.






 

„Die Patenschaft ist für mich eine Möglichkeit, andere Kontakte zu knüpfen und neue Kulturen kennenzulernen.“ (Ulrike, Patin)

Ein „L“ sollte es sein, zumindest ein kleines. Ein L-förmiges Sofa, davon träumte Sham, als er den Mietvertrag für seine erste eigene Wohnung unterschrieb. Ulrike, Shams Patin, erschien dieser Wunsch anfangs ziemlich abwegig. Ein ausladendes Sofa für ein 27 Quadratmeter großes Apartment? Doch im Internet fand sie tatsächlich ein „L“, das passte.

Die viel größere Herausforderung hatten Ulrike und Sham da bereits gemeistert: überhaupt eine Wohnung zu finden in Hamburg. Als die Tandempartner einander vorgestellt wurden, im Sommer 2016, ging für Ulrike ein langes Berufsleben zu Ende – für den damals 25-jährigen Sham fing es gerade erst an. Hinter Ulrike lagen 25 Jahre als Personalreferentin in einem Hamburger Unternehmen, hinter Sham lag die lebensgefährliche Flucht aus Eritrea, einem Land, in dem das Militär jungen Menschen vorschreibt, welchen Beruf sie auszuüben haben. Ulrike suchte eine sinnvolle Aufgabe, wollte neue Kulturen kennenlernen und landete, vermittelt durch eine Freundin, beim Verein „Hamburger mit Herz“. Sham brauchte jemanden, der mit ihm Deutsch lernte, mit Ulrikes Unterstützung bestand er die B1-Sprachprüfung. „Ich wusste ganz wenig über Eritrea“, erzählt die 63-Jährige, die eine erwachsene Tochter hat und in Eimsbüttel lebt.

Die Patenschaft sieht sie keineswegs als Einbahnstraße. Ulrike schätzt die Gespräche mit ihrem deutlich jüngeren Mentee, die beiden diskutieren viel, tauschen sich aus über ihre Vorstellungen vom Leben, reden über Religion. Durch Sham, der 2013 vor dem Militärdienst in seinem Heimatland floh und seine Frau und seinen Sohn mehr als fünf Jahre lang nicht sehen konnte, erfuhr Ulrike von den unwürdigen Zuständen in Eritrea, von der fehlenden Perspektive. Es ist eine vertrauensvolle Beziehung, die die beiden aufgebaut haben. Sie zeichnet sich aus durch gegenseitigen Respekt und eine große Offenheit für die Ansichten des anderen. Sham sagt seiner Mentorin, was er denkt. „Sie versteht sofort, was ich meine.“

Im Moment arbeitet der 27-Jährige in einer Autowaschanlage und hat noch einen Nebenjob – langfristig würde er gerne eine Ausbildung machen. Ulrike unterstützt ihn in seinen Plänen, würde ihn jedoch niemals zu etwas drängen. „Am Ende sage ich immer: Du bist erwachsen, musst du entscheiden.“ Was sie an Sham besonders mag: Dass er kontaktfreudig ist, fröhlich, und alles Neue spannend findet. „Und dass er immer auch an andere denkt.“

Der junge Mann, der in einer großen Familie auf dem Dorf aufgewachsen ist, lebte nach seiner Ankunft in Hamburg mehr als zwei Jahre in Gemeinschaftsunterkünften und sehnte sich nach einer eigenen Wohnung. Er baute auf Ulrikes Tatkraft, doch die musste ihn zunächst enttäuschen: „Ich kann dir auch keine Wohnung aus dem Stegreif zaubern“, sagte sie ihm und nahm ihn mit zu einer offenen Besichtigung, „da standen die Leute schon zur Tür raus“. Es brauchte Monate und unzählige Besuche bei Wohnungsbaugesellschaften in der ganzen Stadt, bis sie schließlich fündig wurden. Im Februar 2017 konnte Sham in ein Hochhaus der SAGA in Bramfeld einziehen. Bald darauf zog auch das kleine „L“ ein, auf dem Ulrike nun sitzt, wenn sie Sham besucht. Und auch für Shams Frau und den gemeinsamen Sohn, die Anfang des Jahres nach Deutschland kommen durften, ist noch genug Platz.

Ulrike Loeber und Sham Melake von Hamburger mit Herz e.V.

Foto: Kirsten Haarmann

Text: Maike Schlaht

Das Tandemportrait wurde im Rahmen des Projekts „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg stärken“ der BürgerStiftung Hamburg in Kooperation mit dem Mentor.Ring Hamburg e.V. erstellt.